Bergisches Land

Der Kirchenkreis Wuppertal empfing Freunde aus dem Partnerkirchenkreis Keetmanshoop/Namibia

Bei diesem Delegationsbesuch ging es um das Thema „Armut und soziale Teilhabe“. Ausgehend von der eigenen Erfahrung öffnete sich der Blick auf die jeweilige Situation in Deutschland und Namibia.
Wo kommt Armut im eigenen Leben vor? Wenn man mitten drin steckt und täglich damit zu tun hat, dann muss man vor allem lernen, sich abzugrenzen. Das merken die Teilnehmer schnell. Wenn täglich Kinder aus der Gemeinde vor der Tür stehen und um eine Tasse Tee mit Milch und Zucker bitten, wenn man 10 Decken an die ärmsten Senioren verteilen darf, aber man eigentlich viel mehr braucht, wenn man entdeckt, dass ein Schüler zum Familienvorstand über seine kleinen Geschwister geworden ist, weil die Eltern als Tagelöhner für einige Monate in den Norden gezogen sind … dann ist man mittendrin in der Situation und muss kleine Lösungen finden, um am nächsten Morgen weiter machen zu können. Wie gut, wenn man da von seinem Glauben getragen wird, das merken wir beim intensiven Bibelteilen. Möge Gott weiterhin seine schützende Hand über uns halten und über die, die uns anvertraut sind.
In der zweiten Woche erfuhren die namibischen Gäste gemeinsam mit den Wuppertaler Gastgebern/innen, was es in Wuppertal bedeutet, arm zu sein.
So besuchte zB. am Mittwoch, den 6. Juni die Gruppe das Fambiente, Sozialberatung und Diakonietreff in Vohwinkel. Später stehen verschiedene Veranstaltungen in den Partnergemeinden auf dem Programm. Überall begegnen die Gäste aus Namibia interessierten Wuppertaler und Wuppertalerinnen.
Am Abend trafen sich die Partner, um über das Thema Partnerschaft zu sprechen. Es wird verabredet, sich in Zukunft zu informieren darüber, was in den einzelnen Gemeinden passiert, Gebetsanliegen auszutauschen. Ob das dieses Mal klappt? Im Zeitalter von Whatsapp-Gruppen (inzwischen schon vier verschiedene, um diesen Besuch und die Partnerschaft zu koordinieren) erscheint diese Verabredung dieses Mal möglicher als bei den vergangenen Begegnungen.
Am Donnerstagmorgen traf sich ein Teil der Gruppe in der Beratungsstelle für Obdachlosigkeit der Diakonie. Der andere Teil informierte sich bei der GESA darüber, wie junge Menschen sich in gewerblichen Berufen weiterbilden können. Da wird es ganz praktisch in Holz- und Malerwerkstätten.
Theoretischer, aber hochkarätig besetzt erwies sich der Besuch im Projekt „Zuhause in Oberbarmen“. Mitten auf der Berliner Straße saßen wir zusammen mit Jürgen Lemmer, Leiter des Ressorts Zuwanderung und Integration, Dr. Andreas Kletzander aus dem Vorstand des Jobcenters, und anderen Akteuren von GESA und der Volkshochschule, die das Projekt gemeinsam durchführen. Zielgruppe sind EU-Zuwanderer, die einen großen Teil der neuen Wuppertaler ausmachen und hier beraten, unterrichtet und in den Arbeitsmarkt begleitet werden.
Es fiel uns und den Projektverantwortlichen nicht leicht, die Herausforderungen, vor denen diese Menschen stehen, in den namibischen Kontext zu übersetzen. Was ist denn nun der Unterschied zwischen der Situation der EU-Bürger und der der Geflüchteten? Wer bekommt finanzielle Unterstützung und durch wen? Wer hat es leichter – der rumänische Arzt, der nach Deutschland kommt oder der syrische?
Am Nachmittag ging es wieder in die Gemeinden. Im Sophiencafé International in der Neuen Kirche trafen wir uns mit einigen syrischen Geflüchteten. Ein reger Austausch fand statt über das Leben in Deutschland, darüber wie man mit dem Geld auskommt, wie teuer die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist. Im Gespräch ergab sich auch, dass Marinda aus Keetmanshoop einem der jungen Zuwanderer Tipps gibt, wo er Geld beantragen kann und damit das in den letzten Tagen Gehörte gern weitergibt.
„God bless you and everybody involved in helping these people“, schreibt sie am Abend noch und bedankt sich für die Begegnung.

Foto: Katja Dummer
Text: Katja Dummer