GMÖ

Pfingstbotschaft des Ökumenischen Rats

Geburtstags- und Jahrestagsfeiern sind immer ein Grund zu großer Freude, insbesondere dann, wenn es um den Jahrestag der Geburtsstunde der Kirche, den Geburtstag der Kirche an Pfingsten geht. Wahrlich ist dies eine gute Gelegenheit, unseren Schwestern und Brüder weltweit den Gruß zuzurufen: Friede sei mit euch!

Seit wir unseren Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens als Reaktion auf die großen Ungerechtigkeiten, die wachsenden sozialen Spaltungen und die schwer lösbaren bewaffneten Konflikte in aller Welt auf unserer 10. Vollversammlung 2013 begonnen haben, hat dieser lebendige Ausdruck unserer Gemeinschaft alle Kontinente auf die eine oder andere Art und Weise erreicht.

Eine Reihe von Besuchen unserer Pilgerteams haben jüngst wieder deutlich gemacht, dass Christinnen und Christen sich in verschiedenen Teilen der Welt solidarisch an die Seite der Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt stellen.

Jetzt zu Pfingsten wollen wir hervorheben, wie diese Besuche und das Zeugnis dieser Pilgerteams ein durch die Kraft des Heiligen Geistes ermöglichter Ausdruck von Solidarität sind.

Bei einigen Besuchen haben die Pilgerteams zum Beispiel Männer und Frauen getroffen, die unter extremer Gewalt litten, weil sie sich für ein würdiges Leben ihrer Gemeinschaft einsetzten. Allein durch ihre Anwesenheit haben die Mitglieder der Pilgerteams ihre bedingungslose Unterstützung für die leidenden Menschen zum Ausdruck gebracht und sind nachdrücklich eingetreten für die Bedeutung demokratischer Teilhabe durch gegenseitiges Zuhören und das friedliche Zusammenleben mit Friedensabkommen.

Seit 2016 haben Pilgerteams Palästina und Israel, Nigeria, den Südsudan und Kolumbien besucht und damit die Hoffnung auf Frieden und die Gegenwart des Heiligen Geistes gestärkt, die Jesus, wie es im Johannesevangelium 20,21-22 steht, all jenen versprochen hat, die ihm nachfolgen wollen.

In Kolumbien haben sie eine Gesellschaft erlebt, die versucht, das geschlossene Friedensabkommen umzusetzen und eine Wahrheitskommission einzusetzen, die die Gewalttaten verschiedener bewaffneter Akteure während des jahrzehntelang andauernden bewaffneten Konflikts zwischen Regierung und den Mitgliedern der ehemaligen FARC-EP-Guerilla aufklären soll. Die Pilgerteams sahen in der Unterstützung des ÖRK für diese Bemühungen, die Wahrheit herauszufinden, aber auch Grund zur Hoffnung.

Die Gegenwart des Heiligen Geistes hilft, neue Gemeinschaften aufzubauen, die sich entschlossen dafür engagieren, die für Frieden und Gerechtigkeit notwendigen Veränderungen herbeizuführen. Es ist dort jetzt möglich, dass Opfer und Täter einander zuhören und nach Wiedergutmachung für die Opfer gesucht wird. Das ist eine ganz neue Situation, Zeichen einer neuen Schöpfung.

Das kolumbianische Volk glaubt fest daran, dass Gott durch den Heiligen Geist bei ihnen ist und durch die Bande der Liebe Energie ausströmen lässt. Voll neuer Energie nähren wir daher die Hoffnung all jener, die am meisten gelitten haben und immer noch darauf warten, dass das in Havanna zwischen der Regierung und der FARC geschlossene Friedensabkommen vollständig umgesetzt wird. Aber diese Hoffnung wird angesichts der immer noch täglichen Berichte über Bedrohungen gesellschaftlicher Führungspersonen, der gezielten Tötungen und der Androhungen einiger politischer Führungskräfte, doch wieder aus dem Friedensabkommen auszusteigen, auch Mut und Durchhaltevermögen verlangen.

Jesus versprach seinen Jüngerinnen und Jüngern, dass er ihnen den Heiligen Geist senden würde, der beschrieben wird als „weiterer Helfer“ – also Tröster, Anwalt, Schlichter, Fürsprecher: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ (Johannes 14,15-16).

Wenn die Kirchen und der ÖRK für die Opfer und all jene, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, eintreten und für sie die Stimme erheben, ist der Heilige Geist am Werk und setzt Gottes Plan, das Leben zu fördern, um.

Während der ÖRK 2018 sein 70-jähriges Bestehen feiert, beten wir zu Gott, dass der Heilige Geist gegenwärtig sein mögen inmitten all der Konflikte in Israel und Palästina, in Syrien und auf der koreanischen Halbinsel – genau wie er es auch schon im Laufe der vergangenen 70 Jahre in Kriegs- und Konfliktzeiten immer war.

Lasst uns uns jetzt zu Pfingsten an die lebendigen Zeugnisse all jener Menschen in so vielen Ländern weltweit erinnern, die ihr Leben der Förderung von Versöhnung und Frieden mit Gerechtigkeit widmen. Lasst uns beten, dass der Geist des Pfingstfestes ihnen und allen Männern und Frauen, die sich nach Frieden und Erlösung sehnen, Hoffnung gibt. Und weil der Fokus des ÖRK-Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens in diesem Jahr im Besonderen auf Lateinamerika liegt, lasst uns zu Gott beten, dass der Heilige Geist die Menschen und Behörden in Ländern wie Nicaragua, Venezuela und Brasilien schützen und leiten möge.

Möge der auferstandene Christus, der einer Gemeinschaft Leben schenkt, die sich entschlossen für Gerechtigkeit und Liebe einsetzt, allen ÖRK-Mitgliedskirchen helfen, mit dem gleichen Geist zu handeln wie die ersten Gemeinschaften von Jesu‘ Jüngerinnen und Jüngern: „Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.“ (Apostelgeschichte 2,44)

Friede sei mit euch!

Die Präsidentinnen und Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen

Pastorin Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel, Reformierte Unionskirche im südlichen Afrika
Pastorin Prof. Dr. Sang Chang, Presbyterianische Kirche in der Republik Korea
Erzbischof Anders Wejryd, Kirche von Schweden
Pastorin Gloria Nohemy Ulloa Alvarado, Presbyterianische Kirche von Kolumbien
Bischof Mark MacDonald, Anglikanische Kirche von Kanada
Pastorin Dr. Mele’ana Puloka, Freie Wesleyanische Kirche von Tonga
Seine Seligkeit Johannes X., Patriarch der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem gesamten Morgenland
Seine Heiligkeit Karekin II., Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier