Köln Bonn

Erinnerung an Pfarrer Chu Yiu Ming

Mitbegründer der „Regenschirm-Bewegung“ in Hongkong und Preisträger der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe droht viele Jahre Gefängnis

10.12.2017 Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region erinnert am „Tag der Menschenrechte“ an den Menschenrechtsaktivisten und Mitbegründer der „Regenschirm-Bewegung“ in Hongkong, Pfarrer Chu Yiu Ming. Der „Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ wird am 10. Dezember gefeiert. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Pfarrer Chu Yiu Ming ist einer der Gründungsmitglieder der so genannten „Occupy-Bewegung“. In den Jahren 2014 und 2015 hatten hunderttausende Menschen in Hongkong über mehrere Monate hinweg für das Recht auf demokratische Wahlen demonstriert. Symbol des friedlichen Widerstands wurde der gelbe Regenschirm.

Noch vor wenigen Wochen hatten Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Kirchenkreises Köln-Mitte Pfarrer Chu Yiu Ming in Hongkong besucht. Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und die Kölner Pfarrerin Bettina Kurbjeweit trafen Pfarrer Chu und seinen Wegbegleiter Prof. Chan Kin Man, der auch zu den Gründungsmitgliedern der „Regenschirm-Bewegung“ gehört, am Rande einer kirchlichen Konferenz in Hongkong. In den Gesprächen erklärte Professor Chan, dass sie sich damals selbst bei der Polizei wegen der Teilnahme an einer nicht angemeldeten Demonstration angezeigt hätten. Sie hätten maximal mit Ordnungsstrafen gerechnet. Doch nun sind sie wegen schwerer Verbrechen – Störung der öffentlichen Ordnung, Aufruhr und konspirativer Verschwörung – angeklagt. Dies könnte ihnen bis zu 21 Jahren Gefängnis bringen.

Der 73-jährige Pfarrer Chu sagte, dass er keine Angst um sich selbst habe, er sei aber in Sorge um die Menschen in Hongkong, deren Rechte auf Meinungs- und Redefreiheit beschnitten werden. Seit der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 hat er sich für chinesische Aktivisten eingesetzt und ihnen geholfen. Zum 30. Jahrestag dieser Demonstrationen wird er wegen der Teilnahme an einer Demonstration vielleicht selber im Gefängnis sitzen.

Die beiden Aktivisten berichteten weiter, wie gerade junge Leute tief enttäuscht sind und resignieren. Sie haben den Eindruck, dass es für sie keinen Platz in der Stadt Hongkong gebe, weder in der Politik, noch in der Zivilgesellschaft, noch im wahrsten Sinne des Wortes – denn auch Wohnraum ist fast unbezahlbar in Hongkong. Vor drei Jahren, während der „Occupy-Bewegung“, waren die jungen Menschen noch voller Hoffnung, jetzt gehen sie noch nicht einmal zur Wahl und sind nur noch frustriert.

Wie der Prozess gegen Pfarrer Chu und Prof. Chan ausgehen und wie lange er dauern wird, ist derzeit noch offen. Die Angeklagten wollen durch alle Instanzen klagen. Die Länge der Haftstrafen, die am Ende zu erwarten sind, ist noch offen. Chu deutete an, dass er in den letzten Monaten gesundheitlich sehr angeschlagen war. Sich dem Prozess in Hongkong zu stellen, und offensiv für die Aktionen der Bewegung einzustehen, empfindet er immer noch als seine Verantwortung. Pfarrer Chu hat sich sehr über die Grüße aus Köln gefreut, die ihm Pfarrerin Kurbjeweit überbracht hatte.

Chu Yiu Ming hatte im Jahr 2016 die Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe für seinen Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und die Wahrung der Menschenrechte erhalten. Die Auszeichnung des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

 

 

(c) EKiR/APK

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