GMÖ Westliches Ruhrgebiet

Weihnachtsgruß

Aurora 2017 Hardy Bock

Wir wünschen Ihnen gesegnete Weihnachten und  einen guten Start ins neue Jahr!

Adventsandacht zum Bild „Aurora 2017“
Auf den ersten Blick dachte ich: Das ist doch kein Bild für eine Weihnachtskarte. Ein Schiff geht unter – SOS.  Ja, der Stern leuchtet, aber doch nur auf das eine Schiffchen. Und die Papierschiffchen sind so niedlich.
Hardy Bock, ein Mülheimer Künstler, hat dieses Bild gemalt. Letztes Jahr gestaltete er auch zusammen mit Adam Masava das große Wandbild zu den Nachhaltigkeitszielen in Mülheim.
Ja, der Künstler will uns an die Flüchtlingsboote im Mittelmeer erinnern. Wir sehen einen Stern am dunklen Himmel. Er leuchtet hin zu einem Schiff. Wir sehen drei Schiffe: Eines im Licht – SOS – eines im Hintergrund auf See – eines geht halb unter. Wir denken an die überfüllten Schlauchboote mit Flüchtenden aus Kriegs-und Krisengebieten. Menschen  voller Verzweiflung machen sich auf den gefährlichen Seeweg. Menschen  voller Hoffnung auf ein neues Leben in Europa.

Ein Hoffnungsprojekt habe ich in der italienischen Waldenserkirche kennengelernt: „Mediterranean Hope“ – Hilfe für Flüchtende.
Die evangelischen Kirchen und Freikirchen in Italien haben sich zu einer Föderation zusammengeschlossen. Hier auf Lampedusa oder Sizilien bekommen Geflüchtete, die in prekärer Lage sind, sofort humanitäre Hilfe. Zudem ist über das Projekt der erste humanitäre Korridor eröffnet worden, um Flüchtlinge aus dem Libanon mit dem Flugzeug auf legalem Weg nach Italien zu holen. Finanziert wird das Projekt aus „Otto per Mille“. So nennen die Italiener das Gesetz, mit dem festgelegt ist, dass der Staat jährlich acht Promille (0,8 Prozent) der gesamten Lohn- und Einkommensteuern an die Kirchen abtritt.
Mediterranean Hope –  ein Stern, der leuchtet und Rettung bringt!

„Das Volk , das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Land, scheint es hell.“ (Jesaja 9,1)
Der Prophet Jesaja hat vor ca. 2500 Jahren von einem Licht, einer Hoffnung und einem Neubeginn geschrieben, der Menschen aus ihrer Trostlosigkeit und Ohnmacht befreit.
„Licht im Dunkel, Hoffnung in höchster Bedrängnis, eine Vision von Frieden und Gerechtigkeit mitten in einer Welt voller Unrecht und Unterdrückung – das ist das große Thema dieses Textes. Es ist zugleich das große Thema der biblischen Überlieferungen, die es immer wieder neu durchbuchstabieren, in immer neuen Erzählungen, Metaphern und Wendungen. Eine neue Hoffnung mitten in Angst und Bedrohung – das ist das Thema von Menschen, die sich nicht zufrieden geben mit dem, was ist, die es noch wagen aufzubegehren gegen Unrecht, die nicht bereit sind, in Depression und Resignation zu versinken, Menschen, die die Erde nicht den Despoten dieser Welt überlassen, sondern auf Gottes rettende Nähe hoffen.
Zunächst zur biblischen Perspektive: Jesaja 9,1-6 ist ein Danklied und es ist als Danklied ein Gegenbild zu der desolaten Situation in Israel und Juda, die der Prophet im 6. Jh. durchlebt. Mit dem Fall Jerusalems durch die Heere der Babylonier über Juda war eine lange Finsternis hereingebrochen. Erst am Ende der Exilszeit bricht sich neue Hoffnung Bahn. Der Prophet nimmt in seinem Danklied vorweg, was er für sein gemartertes Volk erhofft: Irgendwann wird die durchwanderte Nacht vorbei sein, ein neuer Tag anbrechen und das Volk aus Fremdherrschaft und Unterdrückung erlöst sein.  Noch ist das Volk auf dem Marsch durch die große Finsternis, doch es hat bereits ein großes Licht gesehen. Noch sitzen die Menschen im Land der Todesschatten, doch schon leuchtet das Licht über ihnen. Der Weg durch Dunkel und Not bekommt durch das große Licht eine Richtung und ein Ziel.
Damit hat Jesaja zugleich eine Spur gelegt, die die Erzähler von der Geburt Jesu aufgreifen konnten. So wie das Jesajabuch die großen Erzählungen vom Auszug aus Ägypten und von der Davidsverheißung aufgriff und weiterspann, so haben die Erzähler von der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu den Bedeutungsüberschuss in Jesajas Vision aufgenommen und auf das Kommen Jesu bezogen.
Schon die Geburt des Kindes in der Krippe erscheint dabei in einem völlig anderen Licht. Statt in ihr nur Erbärmlichkeit und bittere Armut zu sehen, deuten sie die Erzähler als kosmisches Ereignis, in dem sich Himmel und Erde berühren. Die Engel kommen vom Himmel herab, das Licht erstrahlt mitten in der Nacht. Die Botschaft des erwachsenen Jesus vom Kommen des Reiches Gottes führt diese Spannung zwischen Dunkelheit und Licht konsequent weiter. So war Jesu Verkündigung und Tun heilsam und erlösend für die Unterdrückten und Kranken und zugleich anstößig und provokativ für die Mächtigen und Selbstgewissen. Sie haben ihn am Ende ans Kreuz gebracht. Doch selbst dieser grausame Tod war nicht das finstere Ende, sondern der Anfang einer großen Bewegung, die sich den Visionen und der lebendig machenden Kraft des Gekreuzigten und Auferstandenen verschrieb und seine Erzählungen weitererzählte und weiterspann.“ (Auszüge  aus der Predigt : „Eine neue Hoffnung“ Predigt zu Jesaja 9,1-6 von Isolde Karle, Veröffentlicht auf predigten.evangelisch.de)

Eines der ältesten Advents-und Weihnachtslieder nimmt das Bild des Schiffes auf. „Es kommt ein Schiff geladen“. Ein mittelalterliches Marienlied wurde vor 400 Jahren – in den Nöten und Wirren des 30 jährigen Krieges – wiederentdeckt. Das Schiff war ein Bild für die schwangere Maria – die Mutter Jesu. Das Weihnachtsschiff bringt Hoffnung mit dem neugeborenen Kind – Gott  selbst kommt zu uns. Gott kommt seine Gnade auszubreiten. Gott kommt sein Wort zu halten- des Vaters ewigs Wort. Das Kind im Schiffsbauch – Jesus, steht dafür. Es wird den Menschen verkünden und zeigen: Ich bin bei dir alle Tage und hoffe mit dir auf einen Neuanfang. Unser Ökumeneschiff erinnert daran, dass wir alle gemeinsam unterwegs sind, von Gottes Gnade zu erzählen.

Zurück zum Bild von Hardy Bock: Ja, der Weihnachtsstern gibt Licht, Orientierung und Rettung. Er erinnert uns daran, dass die Wirklichkeit für viele Menschen hart und schrecklich ist, voller Angst und Verzweiflung. Daran sollen wir in der Advents-und Weihnachtszeit nicht vorbeischauen.

Weihnachten schenkt uns allen Hoffnung und Richtung. Weihnachten beginnt dort ganz konkret, wo Hoffnung durch mitfühlendes Handeln – persönlich und politisch- konkret wird. Amen.

Ursula Thomé