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GMÖ 5 Ich will euch geben, was gerecht ist.

Das GMÖ Materialheft „Ich will euch geben, was gerecht ist. (Mt. 20,4),  Arbeitshilfe zur kirchlichen Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen Globalisierung.“ erschien 2006.

5 Ich will euch geben
5 Ich will euch geben

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Aus dem Vorwort:

Von der Schwierigkeit, im Glashaus mit Steinen zu werfen,und warum wir es dennoch tun

Die Kirchen und die Theologie bei uns scheinen ich schwer zu tun mit einer eindeutigen Stellungnahme zur Art unseres weltweiten Wirtschaftens, obwohl dessen negative Folgen überall augenfällig sind. Die Kirchen des Südens kommen offenbar unbefangener zu eindeutigeren und drastischeren Beurteilungen des herrschenden Wirtschaftssystems als dies in den Kirchen des Nordens der Fall ist. Was macht eine Beschäftigung mit wirtschaftlichen Fragen für uns Christen und Christinnen im „Norden“ so schwierig? Mehrere Faktoren spielen da wohl eine Rolle:
• Es ist offensichtlich nicht egal, ob man zu den Gewinnern dieses Systems gehört oder zu
den eindeutigen Verlierern. Vielmehr wird der Zugang zu dem Thema stark von der eigenen
Betroffenheit (im Sinn von Abhängigkeit) bestimmt. „Gewinner“ ist dabei natürlich relativ, denn auch bei uns gibt es mittlerweile genug Verlierer. Aber insgesamt dürfte das Gefühl, mit radikaler Kritik an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt, in den Kirchen des Nordens stärker die Perspektive bestimmen als in den armen Kirchen.
• Es mögen theologische Traditionen eine Rolle spielen, die wirtschaftliche Fragen als ethisch
und theologisch eher nicht relevant betrachten.
• Aber vor allem: die Zusammenhänge, um die es hier geht, scheinen und sind ungeheuer
komplex und übermächtig. Eine Kritik erscheint von vorne herein sinnlos, wenn es zu alledem
ohnehin keine Alternative gibt, wie neoliberale Denker seit Jahren glauben machen wollen.
Dann müsste das Feld den „Fachleuten“ überlassen werden und Theologie hätte hier nichts
verloren.

Dennoch diese Arbeitshilfe! Trotz der genannten Widerstände will diese Arbeitshilfe Zugänge eröffnen, wobei folgende Überlegungen helfen sollen:
• Die Spannung zwischen eigener Betroffenheit und der Notwendigkeit, als Kirche Jesu
Christi die Stimme zu erheben auf der Seite der Schwachen und derjenigen, die selbst keine
Stimme haben, soll nicht vorschnell aufgelöst, sondern muss ausgehalten werden. Dabei geht
es zunächst gar nicht um Lösungen (das dann natürlich auch, aber eben danach), sondern
um das unvoreingenommene Wahr-Nehmen dessen, was ist, also der dramatischen Auswirkungen ökonomischer Globalisierung auf das Leben Vieler. Die Sorge, bei diesem Hinsehen
auch eigene Verstrickung und Schuld wahrzunehmen, sollte den Blick auf die Realitäten
der Globalisierung nicht verstellen. Wo eigene Schuld ist, leben wir auch aus der Vergebung
und Gnade!
• In der Theologischen Erklärung von Barmen wurde der Gedanke als falsche Lehre verworfen,
es gebe Bereiche des Lebens, für die der Gültigkeitsanspruch der frohen Botschaft nicht gelte.
Dies gilt auch für den Bereich der Ökonomie.
• Und schließlich: wir sehen die Komplexität und Übermacht der Zusammenhänge! Aber wir
resignieren deswegen nicht, sondern wollen uns der Aufgabe stellen, über diese komplexen
Zusammenhänge zu informieren und so zum Nach- und Umdenken anzuregen.“

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