Niederrhein

Gottesdienst in Moers: 25. Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi

Am 6. April 1994 wurde um 20:42 Uhr das Flugzeug des ruandischen Staatspräsidenten Habyarimana von zwei Raketen getroffen. Keiner der knapp 20 Fluggäste überlebte den Abschuss. Noch in derselben Nacht begann in der politisch instabilen Situation Ruandas der monatelang vorbereitete Völkermord an den Tutsi, der ruandischen Bevölkerungsminderheit.

Ihr wurde die Schuld an dem Abschuss angelastet. Mehr als 800.000 Menschen wurden in dem folgenden Vierteljahr grausam ermordet, einzeln oder zusammengetrieben in Häusern und Kirchen. Getötet von Nachbarn, Arbeitskollegen oder Armeeangehörigen.

Fragen von Schuld, Vergebung, Versöhnung

Das alles geht die Menschen am Niederrhein eine Menge an. Der Kirchenkreis Moers mit seinen 28 Kirchengemeinden von Alpen bis Friemersheim unterhält eine Partnerschaft mit der Presbyterianischen Kirche in Ruanda. Etliche Freunde starben damals. In den Jahren nach dem Genozid begleiteten die deutschen Partner mit der Erfahrung der deutschen Schuldgeschichte die Menschen in dem kleinen ostafrikanischen Land  bei den Fragen von Vergebung, Versöhnung und Schuld. Und ganz praktisch halfen sie auch, die Not vor allem von Witwen und Waisen zu lindern. Die Unterstützung aus den Ev. Kirchengemeinden des Kirchenkreises Moers war groß.

Junge Generation

Mittlerweile ist eine neue Generation in Ruanda herangewachsen. Auch wenn der Völkermord noch spürbar ist, wollen die jungen Menschen nicht mehr nur allein mit dem Blick auf die Geschichte wahrgenommen werden. So hat sich diese Partnerschaft erneut gewandelt. In den gegenseitigen Besuchen in großer Regelmäßigkeit bereichern sich die Partner mit ihren jeweiligen Erfahrungen mit Kirche, Seelsorge, Diakonie und Verkündigung.

Gedenken

Gleichwohl bleibt das Gedenken der Opfer, der Hinterbliebenen und der Ursachen, die zu dem Völkermord führten, in der Partnerschaftsarbeit präsent: Am 6. April wird ein Gottesdienst in der Ev. Stadtkirche Moers, Klosterstraße 5, um 18 Uhr an den Völkermord an den Tutsis vor 25 Jahren erinnern. Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, und Christian Berges, Vorsitzender des kreiskirchlichen Ruandaausschusses, werden sprechen. Musikalisch wird der ChorAct aus Vluyn unter Leitung von Claudia Naujoks den Gottesdienst begleiten.

Gebete für die Menschen in Ruanda

Wolfram Syben und Christian Berges haben zudem die ev. Kirchengemeinden im Kirchenkreis Moers gebeten, in den Gottesdiensten am Folgetag für die Menschen in Ruanda zu beten.

Text / Foto: Kirchenkreis Moers