Niederrhein

Rheinischer Tag der Nachhaltigkeit

Text und Foto: Theresa Demski / 02.09.2019 www.ekir.de

Text und Foto: Theresa Demski / 02.09.2019 www.ekir.de

Eine faire, ökologische und soziale Revolution

Beim ersten Rheinischen Tag der Nachhaltigkeit in Altenberg diskutierten die Teilnehmenden über nachhaltige Ideen für die eigene Gemeinde. Vom Insektenhotel über grüne Dächer bis hin zu nachhaltigem Investment reichte das Themenspektrum. Das Motto des Tages: Voneinander lernen und miteinander Mut fassen.

Elke Picht steckt die Nase tief in die duftende Minze. „Aus unserem Kräutergarten“, erzählt sie und deutet auf Salbei und Rosmarin, auf Schachtelhalm und Holunderblüte und auf den großen Strauß blühender Pflanzen. Die Ehrenamtlichen der Evangelischen Domgemeinde in Altenberg pflegen auf dem historischen Fleckchen Erde unweit des Doms einen bunten Garten mit unzähligen Kräutern.

Sie bieten Führungen in dem idyllischen Garten gleich an der Dhünn an, begeistern Besucherinnen und Touristen für den Anbau von Kräutern und Blumen im Bauerngarten. „Das macht uns einfach Spaß“, sagt Elke Picht und erzählt dann von den vielen Insekten, die in dem Garten ein Zuhause gefunden haben, von Jugendlichen und Kindern, die ihre Lust an Natur und Umwelt entdeckten, von köstlichen Salzen, heilsamen Salben und wohltuenden Tees, die der Kräuterkreis der Gemeinde herstellt.

Eine  Gelegenheit, um tolle Ideen auszutauschen

Zum ersten Rheinischen Tag der Nachhaltigkeit haben Elke Picht und Cornelia Helten vom Kräuterkreis der Evangelischen Domgemeinde ihren Stand vor dem Gemeindehaus in Odenthal aufgeschlagen. „Wir haben bereits so viele tolle Ideen zum Thema Nachhaltigkeit in unseren Gemeinden“, erklärt dann Pfarrerin Anna-Lina Becker aus Mönchengladbach, „wir brauchen nur eine Gelegenheit, um uns diese Ideen zu erzählen.“

Und deswegen hat sie gemeinsam mit Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel aus Odenthal den ersten Rheinischen Tag der Nachhaltigkeit ins Leben gerufen. Die Resonanz ist noch verhalten, aber die Ideen sprudeln trotzdem. „Eigentlich sollte jeder Tag ein Tag der Nachhaltigkeit sein“, sagt Anna-Lina Becker und wünscht sich eine „faire, ökologische und soziale Revolution, die über die Gemeinden hinaus in die Städte wirksam wird“.

„Kirche muss unbequem werden“

Ideen haben zum ersten Tag der Nachhaltigkeit auch die Referentinnen und Referenten mitgebracht: Esther Klingenberg vom Institut für Pflanzenökologie und Ökosystemforschung an der Uni Göttingen macht den Besucherinnen und Besuchern Mut, Einsatz zu zeigen. „Auf einer persönlichen Ebene, in der Gemeinde und auch in einer politischen Dimension“, sagt sie.

Die Evangelische Kirche sei eine relevante und glaubwürdige Stimme. Das Potential für Widerstand sei vorhanden, radikale Umweltschutzforderungen sollten formuliert und die gesamtgesellschaftliche Diskussion gestärkt werden. „Kirche muss unbequem werden“, forderte Esther Klingenberg, „es erfordert Mut, groß zu denken und viel zu machen.“

Ideen, wie das im praktischen Gemeindeleben aussehen kann, liefert der Tag der Nachhaltigkeit gleich mit: Ivana Mirosavic vom Institut für Geographie der Uni Bonn stellt Möglichkeiten vor, Dächer von Gemeindehäusern und Kindergärten in grüne Oasen zu verwandeln. Ariane Stedtfeld vom Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ) bringt einen ganzen Strauß an Ideen mit – vom Klimaschutzmanagement für Gemeinden, das die Evangelische Kirche im Rheinland seit diesem Monat mit zwei Klimamanagern unterstützt, über ökofaire Beschaffung und ethisches Investment bis hin zu der Entscheidung für nachhaltige Technik.

Das Thema Nachhaltigkeit in den Alltag mitnehmen

Auf dem Markt der Möglichkeiten können Besucher und Besucherinnen dann lernen, wie sie Gemeindeküchen oder die heimischen vier Wände mit selbstgemachten Wurmkisten zur Produktion von gutem Boden ausstatten, wie in Gemeindegärten wilde Ecken entstehen, um Insekten ein Zuhause zu geben und wie selbstgemachte Wachstücher Plastikfolie ersetzen.

Das Team der „FridaysForFuture“-Bewegung im Rheinisch-Bergischen Kreis bastelt mit den Teilnehmenden Kräuterbeete. „Das sind Ideen, die man auch bestens in der Jugendarbeit oder mit Konfirmanden umsetzen kann“, erklärt Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel und macht den Besucherinnen und Besuchern Mut, das Thema Nachhaltigkeit in den Alltag mitzunehmen.

Schon im nächsten Frühling soll der Rheinische Tag der Nachhaltigkeit eine Fortsetzung finden. Dann wünschen sich die Initiatorinnen eine noch größere Teilnahme von Gemeinden, die ihre Ideen mitbringen – vom Photovoltaikdach bis zum Lastenfahrrad, von veganen Kochkursen bis zum Konfirmandenprojekt.