GMÖ Westliches Ruhrgebiet

Wir schicken noch ein Schiff

Mit einer außergewöhnlichen Aktion erinnert das Bündnis United4Rescue an all die Menschen, die weiterhin auf ihrer Flucht nach Europa ertrinken. Für die Kampagne “Drowned Requiem” spielt die dänische Künstlergruppe ‘Between Music’ die Europahymne als Requiem auf dem Grund des Mittelmeers. Das Video wird am 15. November europaweit veröffentlicht, gemeinsam mit einer Spendenkampagne für den Kauf und Umbau des neuen Rettungsschiffes “SEA-EYE 4”. Zugleich appelliert United4Rescue mit einer Petition an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden und sich für staatliche Seenotrettung einzusetzen.

Noch immer sterben Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer. Und Europa? Schaut zu, macht die Grenzen dicht und ignoriert die Pflicht zur Seenotrettung. Schlimmer noch: Die zivile Seenotrettung wird daran gehindert, Menschenleben zu retten. Fünf Rettungsschiffe werden aktuell unter fadenscheinigen Begründungen festgehalten. Und das, obwohl Seenotrettung eigentlich eine staatliche Aufgabe ist und alle europäischen Mitgliedsstaaten sich vertraglich zur Wahrung der Menschenrechte und humanitärer Werte verpflichtet haben. Die „Festung Europa“ ist Realität geworden – und führt zu großem Leid und Tod an ihren Außengrenzen.

Am 12. November hat auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm in einem persönlichen Gespräch mit der italienischen Verkehrsministerin und der Küstenwache die sofortige Freilassung gefordert.

„Wir wollen nicht länger gleichgültig und tatenlos zusehen, wie das Mittelmeer zum Massengrab wird. Darum gedenken wir mit diesem Requiem all der toten Geflüchteten. Mit jedem toten Menschen im Mittelmeer gehen auch unsere europäischen Werte unter! Und gleichzeitig wollen wir alles unternehmen, um weiteres Sterben zu verhindern. Wir schicken noch ein Schiff.“ (Sandra Bils, Gründungsmitglied von United4Rescue)

Unterwasser-Musik: eine neue, ungewöhnliche Kunstform

Die dänische Künstlergruppe Between Music steht für innovative Performancekunst. Für ihre Konzerte tauchen die Musiker:innen normalerweise in gläsernen Wassertanks. Die Aktion im Mittelmeer war für sie eine Premiere. Um auf dem Meeresgrund Beethovens “Ode an die Freude” spielen zu können, bedarf es spezieller Unterwasserinstrumente. Aus einer Vielzahl von Experimenten, in Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern, Wissenschaftlern und Tauchern, ist ein außergewöhnliches Quintett entstanden: ein Kristallophon (gespielt von Laila Skovmand), eine Rotacorda (Nanna Bech), ein Schlagzeug (Morten Poulsen), Klangschalen (Moran le Bars) sowie eine Carbon-Violine (Robert Karlsson). Außerdem entwickelte Between Music für ihre Musik eine eigene Unterwasser-Gesangstechnik.

Die Initiatoren: United4Rescue

United4Rescue ist das Bündnis zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Das Bündnis vereint mehr als 660 große und kleine Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Bekannte Bündnispartner sind u.a. der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), World Vision Deutschland, fritz-kola, der Koordinierungsrat der Muslime und die Evangelische Kirche in Deutschland. 

Im Januar 2020 ermöglichte der unabhängige, gemeinnützige Verein United4Rescue den Kauf der SeaWatch 4 als zusätzliches Rettungsschiff. Darüber hinaus unterstützt United4Rescue auch andere zivile Seenotrettungsorganisationen, damit niemals ein Rettungsschiff aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht auslaufen kann. “Drowned Requiem” ist die Winterkampagne 2020/2021 von United4Rescue.

Weitere Informationen finden Sie unter www.wirschickennocheinschiff.de